Wer war Johann Philipp Draut ?

Eine Beschreibung von Heinrich Quillmann

Kontakt zu Heinrich Quillmann

In der Stiftskirche liegt unter der südlichen Treppe zur Empore ziemlich unbeachtet ein Grabstein aus rotem Sandstein mit folgender Inschrift:

Hier ruhet in Gott Herr Johann Philippus Draut, Rathsverwandter allhier, war gebohren ao 1619 den 20.Octobris, in der Ehe gelebet 48 Jahre, gezeuget 13 Kinder, ist selig entschlafen ao 1704 den 13. Martis

Johann Philipp Draudt ist damals auf dem seit 1542 genutzten Friedhof vor dem Kilianstädter Tor beigesetzt worden. Das Gräberfeld erstreckte sich von der Eugen-Kaiser-Straße bis zum Rathenauring, wo 1943, im Zweiten Weltkrieg, dieser schon seit etwa 1910 nicht mehr genutzte Friedhof teilweise geräumt wurde, um Platz für ein Löschwasserbecken zu schaffen. Nach dem Krieg wurde an dieser Stelle ein Wohnhaus errichtet. Später ist auch der Bereich entlang der Eugen-Kaiser-Straße überbaut worden. Heute stehen hier das evangelische Gemeindehaus mit dem Hausmeisterhaus und ein Wohnhaus.

Warum und von wem das hübsche Sandstein-Grabmal nach 300 Jahren vom Friedhof in die Kirche geschafft wurde, ist nicht bekannt. Aber es lohnt, sich mit Johann Philipp Draudt zu befassen. Er wurde in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges hinein geboren, erlebte am 23. September 1634 im Alter von 14 Jahren bewusst die Verwüstung Windeckens durch neapolitanische Truppen und am 14. Mai 1635 die Plünderungen in der Stadt durch die Kroaten, er überlebte die Pestjahre und erlebte den Wiederaufbau der zerstörten Stadt.

Johann Philipp Draudt wurde in Windecken am 20. Oktober 1619 geboren und am 26. Oktober getauft. Im ältesten Windecker Kirchenbuch findet sich unter den Trauungen für das Jahr 1644 folgender Eintrag :

25, Juni Philips Draudt mit Jungfraw Maria, Herrn Johannis Bickesen Tochter, seinen offentlichen Kirchgang, undt Hochzeit gehalten. Die Hochzeitspredigt wahr ex Sir 25 a v. 1 ad 4

SIR 25, 1-4 „Drei Dinge gefallen mir, die Gott und den Menschen wohlgefallen: wenn Brüder eins sind und die Nachbarn sich lieb haben und wenn Mann und Frau gut miteinander umgehen. Drei Dinge gibt es, denen ich von Herzen Feind bin, und es missfällt mir sehr, dass es sie gibt: wenn ein Armer hoffartig ist und ein Reicher gern lügt und ein alter Narr ein Ehebrecher ist."

Der Ehe entsprangen 13 Kinder, von denen aber nur sechs in Windecken getauft wurden. Johann Philipp Draudt starb am 13. März 1704 und wurde am 19. März begraben. Durch die Kirchenbücher sind nicht nur die Namen der hier getauften Kinder, sondern auch mehrere seiner überaus interessanten Vorfahren bekannt

Er war der Sohn von Marcus Draudt, der am 10. Mai 1614 die Witwe Elsbeth Baumann, geborene Schenk, eine leibliche Tochter von Melchior Schenk, einem Landscheider, der in verwandtschaftlicher Beziehung zu den Marköbeler Schultheißen und Landscheidern Heinz und Johann Schenk zu Schweinsberg stand. Diese waren nachweislich Nachkommen der Grafen von Verdun, die mit großer Wahrscheinlichkeit auf Karl den Großen zurück gehen.

Der Großvater Melchior Schenk hatte 1577 Catharina Will, die Tochter des Kilianstädter Bürgermeisters Wilhelm Will geheiratet, die mit der Windecker Stadtschreiberfamilie Will verwandt war. Ihnen gehörte das etwa 1420 in Ständerbauweise errichtete Wohnhaus Am Marktplatz 4. Darüber hinaus war Catharina Will auch verwandt mit dem Mainzer Domkapitular Will, der 1546 mit einem Teil des Geldes aus dem Domkapitel eine Stiftung zur Förderung der Ausbildung von Jugendlichen aus Windecken und Kilianstädten begründete.