Zur Geschichte der Kirche

Der Ort Windecken, der ursprünglich Tezelenheim hieß, ist ein so genanntes Straßendorf, das zwischen der Nidderfurt und der Katzenbach entstand. Überquerte man die Nidder von Norden kommend, gabelte sich der Weg nach Westen in Richtung Hanau und nach Osten in Richtung Ostheim und Eichen. An diesem Abzweig steht heute die Stiftskirche.

Die Ersterwähnung einer "capella nova" im Jahr 1282 verrät bedauerlicherweise nicht das genaue Jahr der Fertigstellung, lässt aber keinen Zweifel, dass es hier bereits zuvor ein Got­teshaus gegeben hat.

Obwohl dem Ort schon 1288 Stadt- und Marktrechte verlie­hen worden waren, gehörte Windecken noch über 200 Jahre zur Pfarrei Ostheim. 1489 wurde aus der Tochterkirche eine eigene Pfarrei und aus der Kapelle wurde die Stadtpfarrkir­che. Damals wurden zahlreiche Baumaßnahmen durchgeführt. Die Kirche erhielt einen Turm, der 1484 vollendet wurde, um 1497 wurden die Seitenschiffe angebaut und der Chor erwei­tert. Vermutlich erst jetzt bekam die Kirchengemeinde auch ihr erstes Geläut und fortan musste nicht mehr mit den beiden Schlüsseln des Heiligen Petrus, dem ein zweites Gotteshaus in Windecken - die obere Kapelle auf dem Schlossberg - ge­weiht war, gerappelt werden, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen.

1546 wurde Windecken evangelisch. 50 Jahre später setzte Graf Philipp Ludwig 11 von Hanau-Münzenberg das refor­mierte Bekenntnis durch und ließ Bildwerke, Kirchen­schmuck und Altäre rigoros aus den Kirchen entfernen. Ne­ben dem Hauptaltar, der dem Heiligen Cyriacus geweiht war, gab es davor vier Seitenaltäre für St. Maria, für Hl. Kreuz, für St. Georg und St. Katharinen, sowie für die Hl. Dreieinigkeit (Trinitatis).

Im 30-jährigen Krieg, insbesondere in den Jahren 1634, 1635 und 1638 wurde die Kirche stark zerstört. Es währte über 80 Jahre, bis alle Schäden beseitigt waren. So erhielt erst 1706 der Turm einen neuen, jetzt 23 Meter hohen und dreifach ge­stuften Haubenhelm auf dem 35 Meter hohen gemauerten Teil und 1720 konnten dann schließlich auch die Decken und pro­visorischen Dächer der beiden Seitenschiffe wieder instand­gesetzt werden, so dass nun alle Schäden aus dem Krieg von 1618-1648 beseitigt waren.

1690 hatte sich Reichsgraf Friedrich Kasimir von Hanau, der Lutheraner war, von Kaiser Leopold I die freie und vollstän­dige Religionsausübung in der Grafschaft Hanau-Münzenberg bestätigen lassen, so dass 1722 mit dem Bau einer lutheri­schen Kirche, der so genannten Reinhards- Kirche begonnen werden konnte. Sie hat für unsere Stadtpfarrkirche einige Be­deutung, weil bei den Lutheranern in gewissem Umfang wie­der Kirchenschmuck gestattet war, der nach der Vereinigung von Reformierten und Lutheranern im Jahre 1818 und nach der Niederlegung des Gotteshauses im Jahre 1834 in die Stiftskirche kam.      .

Die Bezeichnung Stiftskirche taucht in den alten Unterlagen erstmals 1819 auf, um sie nach der "Hanauer Union" von der ehemaligen lutherischen, einer Reinhards-Kirche, zu unter­scheiden.

Nach verschiedenen Renovierungen in der Folgezeit wurden in den Jahren 1995 bis 2001 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen getroffen. Mit erheblichem finanziellen Aufwand wurden unter anderem das Kirchendach erneuert und der In­nenraum renoviert, so dass die Kirche in ihrem jetzigen Zu­stand in der ihr eigenen Art zu' einer der schönsten Kirchen weit und breit gezählt werden darf.